Tim Bendzko + Band

Live 2011

Die Zeit ist reif
Tim Bendzkos gerader Weg

Er ist waschechter Berliner. Was ja bei den vielen Zugezogenen, die beinhart behaupten Berliner zu sein, schon mal mehr als erwähnenswert ist. Er ist 26 Jahre alt und sein Name ist Tim Bendzko. Mit „Wenn Worte meine Sprache wären“ hat er sein erstes Album vorgelegt. Ein auffallender Plattentitel für einen Musiker, der zwar singt und Gitarre spielt, aber mit dem Genre Singer-/Songwriter rein gar nichts am Hut hat. Überhaupt hat der sympathische Lockenkopf mit vielem nichts am Hut, was in einer Künstlerbiografie so gang und gäbe ist.

Das Brot der frühen Jahre

Er hat als Kind nie eine Gitarre unterm Weihnachtsbaum vorgefunden. Er hat sich erst gar keine gewünscht. War als Jugendlicher nie glühender Verehrer eines Idols. In einer Schülerband hat Tim Bendzko auch nie gespielt. Auch kaum Musik gemacht, abgesehen von seinem glockenhellen Geträller bei Schulfesten, Geburtstagen und Weihnachtsfeiern. Dafür hat Tim Bendzko unablässig Musik gedacht. In Zappas berühmter Pose sitzt er im Bad und sinniert: „Mensch, was mache ich denn so mit meinem Leben? Auf jeden Fall etwas, was mir Spaß macht. Und etwas, was ich richtig gut kann.“ Dieses Gedankenspiel lässt Tim Bendzko nicht mehr los. Dann blitzt es durch seinen Geist. Schlagartig herrscht Klarheit in seinem Kopf: „Da bleibt nur eins: Singen und Songs schreiben. Aber nicht so nebenher. Das kann nur groß werden, weil es groß werden muss. Und weil ich es weiß.“ Als Frank Zappa sein bis heute bekanntes Foto schießen lässt, ist er 27 Jahre alt. Als Tim Bendzko ganz unbewusst diese Denkerpose wählt, ist er gerade mal elf. Nahezu hellseherisch weiß er auch, dass seine musikalische Zeit noch nicht gekommen ist. Er spielt derweil lieber Fußball. Beim 1. FC Union Berlin. Mit Sportgymnasium und allem, was sonst so dazu gehört. Wie könnte es anders sein, ist Tim Bendzko auch hier verdammt gut. Was er macht, dass macht er richtig. Er wird als großes Talent gehandelt. Bevor es aber richtig losgeht hört er auf. „Mir war klar, ich muss Musik machen“, bekräftigt er, „und ich war mir immer noch sicher, dass das dann alle ganz toll finden werden. Was soll ich also mit einer Fußballer-Karriere? Aber Gitarre lernen, das wär wichtig. Wie soll ich sonst Lieder schreiben?“ Gesagt, getan. Doch auch der Gitarrenlehrer, der zudem noch ein wenig schlunzig ist, ist nur Mittel zum Zweck. „Ich wollte halt einfach nur die Grundlagen können, ich brauchte bestimmte Akkorde, um an meinen zukünftigen Liedern arbeiten zu können“, erklärt er sein eher kurzes Gitarrenlern-Gastspiel. Als dann die ersten Stücke aus Tim Bendzko heraus purzeln, sind sie gehaltvoll und fast lebensweise. „Die Lieder waren richtig gut, doch so ausdrucksstark, dass sie nicht wirklich zu einem Sechzehnjährigen passen, man hätte sie mir einfach nicht abgenommen“, stellt er klar, „aber das bedeutet nur, meine Zeit ist noch nicht gekommen. Mehr nicht.“

Meine Zeit ist mein Leben

Das Ziel fest im Blick, studiert Tim Bendzko nach dem Abitur Evangelische Theologie und Nichtchristliche Religionen. Theologie? Ihm schwirren wieder und wieder Wortfetzen durch den Kopf und Notenfetzen entspringen seiner Seele. Sein Geist ist voller Unordnung. Das soll dieses Studium ändern. Ein System sollte her, mit dem sich alles erklären lässt und das irgendwie Ordnung in seine Gedanken bringt. Vielleicht sogar in sein Leben. „Die Noten- und Wortfetzen sollten sich geistesblitzartig, wie von selbst, sortieren. Um Gott oder um Religion ging es dabei gar nicht“, stellt er klar, „ich wollte damit nichts machen, selbst, wenn ich den Abschluss gemacht hätte. Es ging auch hier um nichts, als um Musik.“ Wieder entstehen Stücke. Und Tim Bendzko testet die Lieder erstmals live. Dabei trägt er Kopf und Seele gleichzeitig auf der Zunge. Und beides lässt er dort zergehen. Obwohl der Publikumszuspruch bereits immens ist, sieht Tim Bendzko noch Potential nach oben und entscheidet erneut: „Es war noch zu früh um mit den Stücken groß anzutreten, ich wartete ganz bewusst noch ein wenig und irgendwann würde es dann soweit sein, ganz automatisch und ich werde den Moment erkennen.“ Über ein paar kleine Umwege wird Tim Bendzko Auktionator für Autos. Ist dabei erfolgreich. Auch finanziell. Und schreibt weiter Lieder. Sporadisch zwar. So zwischendurch. Seine Texte aber rücken dem Leben mehr und mehr auf die Pelle. Seine Musik verwandelt sich in eine Melange aus




Melancholie und träumerischer Romantik, gesungen mit einer soulig umhüllten und jazzig angehauchten Stimme, die so ihresgleichen sucht. Die Zeit ist nun reif. Reif für Tim Bendzkos Stücke. Reif für sein musikalisches Coming-Out. „Ich habe ihn physisch gespürt, diesen magischen Moment“, erinnert er sich und kriegt dabei eine Gänsehaut. Als er nach einem gewonnenen Nachwuchswettbewerb im Juli 2009 den Backstagebereich der Berliner Waldbühne betritt und der Ruf erschallt, „Tim, dein Auftritt“, geht er ganz unaufgeregt raus, stellt sich vor fast 20.000 Zuschauer und singt. Und er weiß, dass es gut ist. Warum hätte er auch überrascht sein sollen? Tim Bendzko hat immer gewusst, dass seine Zeit kommt und wo sein Platz ist. Er ist angekommen. Wenn die Metapher der Künstlerkollegen von Wir sind Helden, „gekommen, um zu bleiben“ auf jemanden bestens zutrifft, dann auf Tim Bendzko. Jetzt hat er nur noch eine Wahl, die des endgültigen Einschwenkens auf den kreativen Weg. Folgerichtig kündigt er den Auktionatorjob postwendend.

Wenn Worte meine Sprache wären

Eine Plattenfirma zu finden, ist dann auch kein Problem mehr. Alles stimmt. Zur richtigen Zeit mit den richtigen Liedern am richtigen Ort. Und die Prophezeiung, die sich aus der jugendlichen Such- und Findungsphase entspann, hat sich erfüllt. So verwundert es auch gar nicht, dass sein Album „Wenn Worte meine Sprache wären“ eine eigenartige Sogwirkung erzeugt. Man will mehr. Viel, viel mehr. Die melodischen Entführungen sind voller Überraschungsmomente, die genau so träumerisch wie dramatisch sind. Der Gesamtklang ist einfach und erdig gehalten, aber äußerst sensibel auf Gefühl gebettet. Die Akkorde perlen aus seinem Musikhimmel, wie Regentropfen. Wenn die Sonne sie heiß bestrahlt, werden sie warm und umhüllen die Haut. Auch wenn sie trotz ihres sonnigen Gemüts mitunter eine melancholische Stimmung verbreiten, beginnt dennoch keine triste Epoche, eher ködert eine süße Traurigkeit, die jedoch nie die Laune raubt. Die Musik bleibt dabei gehörig reduziert. Mehr wäre schon zu viel. Und weniger nicht genügend. Obwohl bei den schönen Klängen nur auf wenige und meist akustischen Mittel gesetzt wird, sind Tim Bendzkos Klänge beatlastig und tanzbar. Die vergebene Taktzahl erhöht die eindringliche Stimmung. Die Musik ist nicht nur intim, sondern gleichzeitig auch rhythmisch äußerst intensiv. Man lauscht der Stimme des Sängers und der musikalischen Untermalung seiner Band so aufmerksam und voller Konzentration und ertappt sich dann beim wilden Kopfnicken, Fingerschnippen und Fußwippen. Jedes von Tim Bendzkos Stücken faltet den poetischen Fächer weit auf. Verführerisch locken die Zeilen voller verstecktem Humor. Sein Kopfkino ist klar, strukturiert und sortiert. Tim Bendzko hat nicht nur seinen Klang gefunden, sondern auch seine höchstpersönliche Sprachordnung. Einfach zwar, aber jedwedem komplexen Inhalt absolut gewachsen.

„Wenn Worte meine Sprache wären“ ist ein zeitloses Entdeckungsparadies. Da kann man nur Tim Bendzkos eigener Aufforderung aus dem zweiten Stück der CD folgen: „Sag einfach ja für diese Reise mit mir.“ Ein Album für die Ewigkeit.

Franz X.A. Zipperer


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Termine

17.06.2011 Leipzig Völkerschlachtdenkmal Support: bei Elton John
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18.06.2011 Berlin O2 World Support: bei Elton John
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19.06.2011 Köln Lanxess Arena Support: bei Elton John
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15.07.2011 Trier Europahalle Support: bei Philipp Poisel
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16.07.2011 Ansbach Ansbach Open Air Support: bei Philipp Poisel
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21.07.2011 Köln Tanzbrunnen Support: bei Joe Cocker
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05.08.2011 Bad Oeynhausen Parklichter Festival
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12.08.2011 Dresden Elbufer Support: bei Joe Cocker
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13.08.2011 Berlin Waldbühne Support: bei Joe Cocker
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14.08.2011 Schwerin Freilichtbühne Support: bei Joe Cocker
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16.08.2011 Hamburg Stadtpark Support: bei Joe Cocker
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18.08.2011 Coburg Schlossplatz Support: bei Joe Cocker
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19.08.2011 Bochum Zeltfestival Ruhr Support: bei Joe Cocker
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20.08.2011
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21.08.2011 Berlin Tag der offenen Tür im Bundesministerium, Invalidenstr. 44
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30.08.2011 Stuttgart Freilichtbühne Killesberg Support: bei Philipp Poisel
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17.09.2011 Baden-Baden SWR3 New Pop Festival
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22.09.2011 Hamburg Reeperbahnfestival
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14.11.2011 München 59to1 Support: Elif + F.R.
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15.11.2011 Stuttgart Universum Support: Elif + F.R.
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17.11.2011 Frankfurt Nachtleben Support: Elif + F.R.
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18.11.2011 Köln Gloria Support: Elif + F.R.
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19.11.2011 Bochum Zeche Support: Elif + F.R.
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21.11.2011 Hamburg Stage Club Support: Elif + F.R.
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22.11.2011 Bremen Lagerhaus Support: Elif + F.R.
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23.11.2011 Berlin Lido Support: Elif + F.R.
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24.11.2011 Berlin Lido Support: Elif + F.R.
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28.11.2011 Leipzig Werk II Support: Elif + F.R.
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Mitteilungen & Pressemeldungen

08.03.2011 Tim Bendzko